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TANDEM KÖLN

MUSEUMSÜBERGREIFENDE ZUSAMMENARBEIT

Der Museumsdienst der Stadt Köln kooperierte im Rahmen des Projektes seit 2022 mit der Volkshochschule Köln mit dem Ziel, den Teilnehmer*innen an Integrationskursen den Besuch im Museum ohne Sprachbarrieren möglich zu machen.

 

Das Programm des Museumsdienstes Köln wendet sich museumsübergreifend an die gesamte Kölner Bevölkerung und Besucher*innen jeder Herkunft, unabhängig von Alter, Geschlecht, Herkunft, Bildung und Religion. Es gilt, diese am kulturellen Erbe mit all seinen Bezügen zu einer sich ständig wandelnden Gesellschaft teilhaben zu lassen.

 

Der Bereich der Integrationskurse im Programmbereich Sprachen zählt zu einem der größten Fachbereiche der vhs Köln. 2023 realisiert die vhs Köln an unterschiedlichsten Standorten über 49 Integrationskurse mit fast 400 Teilnehmenden, um den Menschen das Erlernen der deutschen Sprache und so das Ankommen in der Gesellschaft zu ermöglichen.

 

Vertreter*innen und Leitungen des Museumsdienstes Köln und der Volkshochschule Köln stimmten überein darin, dass ein Kooperationsprojekt zweier städtischer Dienststellen ein weiterer Baustein zur Teilhabe von Neuangekommenen an den kulturellen Angeboten in der Stadt Köln ist. So stellten die Partner 2022 einen Kooperationsvertrag auf, der die weitere Zusammenarbeit sicherte. Der Museumsdienst Köln konzipierte Museumsbesuche mit zielgruppengerechten Methoden, die Gesprächsanlässe schaffen, aktivieren und Partizipation ermöglichen, und führte diese durch. Die vhs Köln organisierte für Integrationskurse die Museumsbesuche inklusive Beantragung beim Bundesamt für Migration und Flüchtlinge. Die Kursleitenden begleiteten die Gruppe zum Museum und während des Museumsbesuchs.

Museumstasche

Es wurden verschiedene didaktische Methoden und Besuchsmodelle ausprobiert. Grundlage dafür war die schon bereits vorhandene Museumstasche, die kreative Materialien für partizipative Besuche in Kunstmuseen enthält. Sie ermöglicht für alle Altersgruppen einen spielerischen, offenen Zugang zu Kunst – auch ohne Vorkenntnisse oder mit geringen Deutschkenntnissen. Die Methoden unterstützen Besucher*innen beim Entdecken, Erleben und Austausch im Museum. Einige Methoden wurden im Rahmen der Kooperation weiterentwickelt bzw. neu entwickelt, sodass die Museumstasche wachsen konnte.

Führungskonzept NS-DOK

Da die Museumstasche hauptsächlich Anwendung in Kunstmuseen findet, die Museumslandschaft in Köln aber sehr divers ist, wurde im Rahmen des Projektes eine Konzeption eines interaktiven Vermittlungsangebotes für das NS-Dokumentationszentrum Köln (NS-DOK) in Auftrag gegeben. Das neue Vermittlungskonzepte gibt Museumspädagog*innen und Museumsguides Arbeitsmittel an die Hand, um vor allem Deutschlernende aus Integrationskursen bei der kulturellen Integration und Sprachanwendung/- verfestigung zu unterstützen. Es bedarf Methoden, die einen angemessenen und sensiblen Umgang mit dem Thema Nationalsozialismus ermöglichen. Entwickelt wurde das Konzept von Dr. Recha Allgaier-Honal, Judaistin und Historikerin. Sie konzentriert sich vor allem auf die Vermittlung der Geschichte des Nationalsozialismus im
Bereich der Museums- und Gedenkstättenpädagogik und führt als Guide durch das NS-DOK.

Evaluationsbögen

Um die Angebote wirkungsvoll auf die Teilnehmenden anpassen zu können, wurden Evaluationen durchgeführt. Insgesamt gingen 230 Bögen nach dialogischen Führungen von Lernenden, Lehrkräften und den führenden Museumsguides ein. Die sehr positiven Rückmeldungen bestätigten die Kooperationspartner*innen in ihrem Vorhaben und dem Aufbau einer langfristigen Zusammenarbeit.

Qualifizierungshandbuch

Aus den Evaluationsbögen konnten auch einige Verbesserungsvorschläge entnommen werden, daher ging aus dem Tandem in Köln zudem ein Qualifizierungsangebot
für Vermittler*innen im Museum hervor. Führungen für Deutschlernende bedürfen besonderer Qualitäten. Vermittler*innen erfuhren bei der Fortbildung, wie ein Museumsbesuch für Menschen mit Deutsch als Fremdsprache (DaF) oder Deutsch als Zweitsprache (DaZ) zum Erfolg werden kann. Museen eignen sich wunderbar als außerschulischer Lernort und Lernende können von diesem profitieren, wenn neben musealen Inhalten auch sprachdidaktische Inhalte mit in Führungen einfließen. Den Leitfaden dazu schrieb Monique Isserstedt, Kunsthistorikerin und DaF-Lektorin. Sie ist
Fachbereichsleitung für Deutsch als Fremdsprache bei der vhs Köln sowie Museumsguide beim Museumsdienst Köln. Der Qualifizierungsleitfaden kann selbst durchgearbeitet werden, doch wurde Anfang 2024 auch eine Fortbildung in Präsenz für alle Museumsguides des Museumsdienstes in Köln angeboten. Insgesamt haben währendes des Projektes ca. 50 Integrationskurse Kölner Museen besucht mit fast 700 Teilnehmenden. Darunter das Rautenstrauch-Joest-Museum, das Museum für Angewandte Kunst, das Museums Ludwig,
das Wallraf-Richartz-Museum sowie das NS-Dokumentationszentrum. Hinzugenommen
wurden auch Alphabetisierungskurse, für die das Angebot eigens vom Museumsdienst weiterentwickelt wurde.

Die Kooperation gelang vor allem in enger Zusammenarbeit mit Dominik Fasel
(Museumdienst Köln), Dr. Anja Kischel und Katharina Otto (vhs Köln) sowie
vielen weiteren Mitarbeiter*innen beider Institutionen.

Das Führungskonzept, das Qualifizierungshandbuch und die Evaluationsbögen
stehen kostenlos im Downloadbereich zur Verfügung.

Evaluationsbericht 2023

In ausgewählten Kölner städtischen Museen fanden verschiedene didaktische Methoden und Besuchsmodelle Anwendung. Mit Hilfe einer Evaluation sollte herausgefunden werden, ob die Grundidee der Führungen zielführend für Integrationskursteilnehmende
ist und das Angebot sie bei der Sprachanwendung und künstlerischen Rezeption sowie dem Kennenlernen von neuen Kulturorten unterstützt. Daher wurden die Museumsführungen im Anschluss von den Teilnehmenden der vhs-Integrationskurse, den Kursleitungen und den Museumsguides bewertet. Die Fragebögen wurden in gemeinsamer Gestaltung mit den
Kooperationspartner*innen in einfacher Sprache geschrieben und gestaltet; so konnten die Teilnehmenden z.B. mit Hilfe von Smileys antworten. Es handelt sich um eine schriftlich quantitative Evaluation. Das Ausfüllen der Fragebögen beruhte auf freiwilliger Basis.
Teilgenommen haben 149 vhs-Kursteilnehmende, 13 vhs-Lehrkräfte und 8 Museumsguides.
Zusammenfassend kann gesagt werden, dass das Angebot von allen Beteiligten geschätzt und befürwortet wird. Die Sprachanwendung und kulturelle Rezeption gelingen und die Teilnehmenden lernen neue Orte der kulturellen Begegnung kennen.