Home / Informieren / Veröffentlichungen / Geschäftsberichte / Geschäftsbericht 2017

Geschäftsbericht 2017

Kontakt

Alexander Oberdieck
Bildungsreferent
Email: oberdieck@arbeitundleben.nrw
Telefon: 0211 - 938 00 28
Mobil: 0171-5589001
Fax: 0211 - 938 00 29

Der Geschäftsbericht 2017 bietet wie gewohnt einen Überblick aller Aktivitäten von Arbeit und Leben NRW. Den inhaltlichen Schwerpunkt haben wir in diesem Jahr auf das Thema Migration und Integration gelegt. Ausgangspunkt ist dabei das neue Projekt #Dabei sein ist alles!, ein Modellprojekt zur interkulturellen Öffnung des Sports, das in Zusammenarbeit mit dem Sportbildungswerk NRW umgesetzt wird. Für das einführende Interview konnten wir Wolfgang Jost, den Geschäftsführer des Bildungswerks gewinnen.

Interview mit Wolfgang Joost

1.    Welche Rolle spielt der organisierte Sport in den Herausforderungen der Gestaltung einer vielfältigen Gesellschaft?

Der Sport kann zwischen verschiedenen Kulturen und sozialen Gruppen seine verbindende Kraft entfalten und als zivilgesellschaftlicher Akteur wesentlich zur Stärkung des friedlichen und demokratischen Zusammenlebens beitragen. Der Landessportbund NRW als Dachverband besitzt zudem das organisatorische Potenzial um Integration und Inklusion aktiv und erfolgreich zu gestalten.

2.    Wie macht sich die erhöhte Zahl an geflüchteten Menschen, die seit September 2015 nach NRW gekommen sind, im organisierten Sport bemerkbar?

Der organisierte Sport ist nicht erst seit September 2015 in den Fragen der Integration tätig. Das Thema Integration spielt schon seit vielen Jahren auf der Ebene des Landessportbundes, der Fachverbände, der Stadt- und Kreissportbünde sowie der angeschlossenen Vereine eine große Rolle.
Somit waren die Fragestellungen, die nach September 2015 zu beantworten waren, nicht grundsätzlich neu. Allerdings musste auch der organisierte Sport auf die große Anzahl der geflüchteten Menschen und auf die entsprechenden Auswirkungen reagieren. Die Sportvereine haben sich sofort im Rahmen ihres gesellschaftlichen Engagements in die Betreuung der geflüchteten Menschen eingebunden. Dieses Engagement war und ist nicht alleine beschränkt auf sportliche Bewegungsangebote. Gleichzeitig mussten die Vereine aber auch mit der Schließung von Sporthallen, die für die Aufnahme der geflüchteten Menschen benötigt wurden, zurechtkommen, um nur ein Beispiel zu nennen.

Der Landessportbund hat 2015 ein Kompetenzzentrum für Integration und Inklusion im Sport eingerichtet und ein „Handlungskonzept: Von der Willkommenskultur zur Integration“ beschlossen. Sehr zentral in diesem Handlungskonzept ist der Aufbau einer hauptberuflichen Struktur, die mittel- und langfristig die Umsetzung der notwendigen Integrationsaufgaben im Sport sichern soll. In der Folge und ganz im Sinne des Konzeptes haben viele Sportvereine entweder ihre bestehenden Angebote für geflüchtete Menschen geöffnet oder haben neue entsprechende Angebote geschaffen.

3.    Was kann man im Sportverein noch lernen, außer sportlicher Betätigung?

Selbstverständlich geht es den Menschen, die Sport treiben um sportliche Betätigung und es geht auch darum, entsprechende Fähigkeiten und Fertigkeiten ständig weiter zu entwickeln. Gleichzeitig bietet der Sport im Sinne des informellen Lernens aber auch viele weitere Anlässe um sich weiter zu bilden. Die Vielfalt der Möglichkeiten wird auf der Homepage der Kampagne des Landessportbundes www.beim-sport-gelernt.de deutlich. Die ganze Bandbreite der Lernmöglichkeiten aufzuzählen würde dieses Interview sprengen. Die Bandbreite reicht vom Thema „Teamgeist“ über „Lebensfreude“ und Selbstbewusstsein“ und endet noch lange nicht bei „Durchhaltevermögen“, „Verantwortlichkeit“ und „Disziplin“.

4.    Welche Funktion hat das SportBildungswerk NRW?

Mit der Gründung des SportBildungswerkes 1975 als einer Einrichtung der Weiterbildung, die nach dem Weiterbildungsgesetz des Landes Nordrhein-Westfalen anerkannt und gefördert wird, hat sich der organisierte Sport als unverzichtbarer Träger von nonformaler Bildung sowohl in der Politik, als auch in der Öffentlichkeit positioniert. Die vielfältigen Bildungsmöglichkeiten des Sports, die zuvor beschrieben worden sind, werden im Sinne des Gesetzes in praktische Angebote umgesetzt. Jährlich mehr als 100.000 Menschen nutzen diese speziellen Bildungsmöglichkeiten im Sport. Gleichzeitig ist das SportBildungswerk auch Veranstalter von Aus- und Fortbildungen im organisierten Sport, z.B. zum Übungsleiter oder auch zum Vereinsmanager.

5.    Was soll das Projekt „Dabei sein ist alles“ bewirken?

Das Qualifizierungsangebot „Dabei sein ist alles“ richtet sich gemäß eines Multistakeholder  Ansatzes an verschiedene, die Gesamtorganisation des organisierten Sports tragende Gruppen bzw. Akteure. Es geht dabei um die Implementierung des interkulturellen Dialogs und um die Ausweitung der Lernmöglichkeiten im organisierten Sport. Die konkrete Projektebene soll exemplarisch verdeutlichen, wie erfolgreich Sport bei der Unterstützung von Spracherwerb, Wertediskursen und Teilhabekompetenzen sein kann.

6.    Wie politisch ist Sport? Muss Sport politischer werden?

Der organisierte Sport mit Dachverbänden und Vereinen ist Teil unserer Zivilgesellschaft. Als einer der großen Akteure gesellschaftlicher Entwicklung handelt der organisierte Sport selbstverständlich politisch. Er braucht entsprechende förderliche Rahmenbedingungen, deren Bereitstellung im gesamtgesellschaftlichen Diskurs erreicht werden müssen. Sport kann noch politischer werden. Das „sich Einmischen“ auf lokaler, regionaler und landesweiter Ebene im Vorfeld von politischen Entscheidungen ist unabdingbar, um die Möglichkeiten, die der Sport allen Menschen bietet, optimal entfalten zu können.

7.    Welche Forderungen haben Sie an die Politik?

Der Wunsch an die Politik ist „Gemeinsam mehr erreichen“. Aus diesem Grund sind die nachgenannten Punkte eher Anregungen denn Forderungen.

Der organisierte Sport ist Gemeinwohl orientiert und baut unabdingbar auf ein großes und solides ehrenamtliches Fundament. Ehrenamt muss leistbar bleiben, deswegen spielt Entbürokratisierung, Förderung und Anerkennung des Ehrenamtes eine sehr zentrale Rolle.
Speziell im Bereich der Unterstützung geflüchteter Menschen benötigen wir passgenaue, an zentraler Stelle koordinierte und vor allem aufeinander abgestimmte Programme zur Unterstützung unserer Arbeit.