Die Lerneinheiten des Methodenkoffers sollen für verschiedene Ansprüche an „Selbstdenken“, „kritisches Denken“ und „Kritik“ sensibilisieren, Diskurse anstoßen und zugleich Diskursfähigkeit fördern und zudem Handwerkszeug vermitteln, das dabei helfen soll, sich in einer komplexen Welt voller weltanschaulichen Orientierungsangeboten, Informationsfluten, Algorithmen, problematischer Kommunikation, Desinformation und Propaganda besser zurechtfinden zu können. Die Kür beim Einsatz der Lerneinheiten wäre, zu Argumentationen und Diskussionen über gewissermaßen erkenntnistheoretische Ansprüche an Aussagen und Überzeugungen anzuregen: Weshalb halte ich eigentlich eine bestimmte Überzeugung für wahr? Sollte mich das, was mein Gegenüber gerade gesagt hat, davon überzeugen, meine Position aufzugeben oder zumindest zu überdenken? Wie übe ich eigentlich zielführend und sinnvoll sowohl Selbstkritik als auch Kritik an den Positionen und Überzeugungen meiner Mitmenschen? Weshalb ist Kritik eigentlich so wichtig? Wie finde ich heraus, ob ich sprachlich hinters Licht geführt werden soll? Bringen Politiker*innen oder Influencer*innen in konkreten Fällen eigentlich vernünftige Argumente vor, oder setzen sie stattdessen auf psychologische Tricks?
Durch das Animieren zu solchen Fragen soll der Methodenkoffer ein stückweit dabei behilflich sein, in Lernkontexten diejenige Art von Mündigkeit zu kultivieren, die insbesondere in unserer Rolle als Staatsbürger*innen elementar ist – denn in dieser Rolle sind wir alle das kritische Korrektiv unseres Gemeinwesens und unserer Repräsentanten; und Kritik will gelernt werden.
Dabei erheben wir keinen Anspruch auf Vollständigkeit – im Gegenteil war unser Ziel, ein möglichst breites Portfolio aus Themen, Motiven, Zugängen und Komplexitäten bereit zu stellen, um bestmöglich anschlussfähig an die zahlreichen Kontexte der (politischen) Jugend- und Erwachsenenbildung zu sein. Aus diesem Grunde mag die Auswahl der Lerneinheiten des Methodenkoffers mitunter etwas eklektisch oder
„zusammengewürfelt“ wirken. Was die Lerneinheiten indessen allesamt gemeinsam haben, ist die Absicht, Kritikfähigkeit und Lernoffenheit zu fördern, selbst wenn dies teilweise auf eher „indirektem“ Wege geschieht.
Bei alldem bewegt sich der Methodenkoffer auf einer gewissen „Meta-Ebene“: Einzelne empirische Daten stehen – abgesehen von denjenigen Lerneinheiten, die sich explizit psychologischen Themen widmen (wie die Einheiten (9) und (10)) –dabei ebenso wenig im Fokus wie einzelne Überzeugungen. So mag es auf den ersten Blick vielleicht wenig intuitiv wirken, dass der Methodenkoffer keine Aufklärungs- und Sensibilisierungseinheiten gegen grassierende und zunehmende menschenfeindliche Aussagen und Gruppen beinhaltet, oder gegen solche, die sich explizit gegen Programme richten, die den Werten der Aufklärung verpflichtet sind, obwohl diese äußerst relevant und bedrohlich sind. Generell wurde soweit wie möglich darauf verzichtet, in den Lerneinheiten zu „moralisieren“. Wir gehen davon aus, dass die Förderung von Lernoffenheit, Fehlerkultur, intellektueller Bescheidenheit und Kritikfähigkeit universell zu sowohl vernünftigeren als auch menschenfreundlicheren politisch-gesellschaftlichen Perspektiven führt – und dabei zugleich dabei hilft, sich mündiger, selbstwirksamer und selbstsicherer in den auch privaten Herausforderungen der tagtäglichen Weltorientierungen zu bewegen.
Wenn Teilnehmende anhand der Lerneinheiten zu methodischem Hinterfragen animiert werden, sowie dazu, Verantwortung für die eigene Weltorientierung zu übernehmen und dabei auch Unsicherheiten zu verstehen und auszuhalten (Ambiguitätstoleranz), wurde der Anspruch des Methodenkoffers erfüllt.